Martin Sansoni - Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie

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Psychosomatische Symptome

Es gibt körperliche Symptome, für die sich bei der ärztlichen Untersuchung keine körperliche Ursache finden lässt: die psychosomatischen Symptome. In ihnen drücken sich Gefühle aus, die anders nicht ausgedrückt werden können. Überwiegend sind es eher unangenehme Gefühle wie Wut, Zorn, Ärger oder Trauer, die verdrängt wurden, da ihr offener Ausdruck von den Menschen der Umgebung oder der Gesellschaft tabuisiert ist. Bei den psychosomatischen Symptomen handelt es sich also um eine Art Sprache der Organe. Die Entwicklung der Sprache hat diese Zusammenhänge über viele Jahrhunderte hinweg intuitiv begriffen und in zahlreichen Redewendungen wie z. B. "das ist mir auf den Magen geschlagen ... dies oder jenes ist mir an die Nieren gegangen ... ich habe die Nase voll von oder bin verschnupft über etwas" ausgedrückt.

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Häufig sind folgende psychosomatische Symptome:

 Psychogene Rückenschmerzen: Die erhöhte Anspannung der die Wirbelsäule umgebenden Muskulatur drückt eine erhöhte seelische Anspannung aus. Meist findet sie sich in Situationen, die durch eine hohe, kaum zu bewältigende Arbeitsbelastung geprägt sind. Das Pflichtgefühl oder Schuldgefühle hindern aber daran, die übernommenen Aufgaben ganz oder teilweise abzulehnen. Nur die Rückenschmerzen drücken in der Organsprache aus. "Ich kann die Belastung nicht mehr (er)tragen! Ich trage zuviel auf meinen Schultern!". Anspannung führt zu Schmerz, Schmerz führt zu erneuter Anspannung und damit zu einem Teufelskreis, der sich selbst unterhält.

 Psychogene Kopfschmerzen: Während die echte Migräne eher selten ist, ist der aus einer verspannten Halswirbelsäule herrührende Spannungskopfschmerz sehr häufig. Für ihn gilt zunächst einmal das für die psychogenen Rückenschmerzen gesagte; oft stehen zusätzlich schwierige Entscheidungen an, die "Kopfzerbrechen" machen.

 Psychogene Magen-Darmbeschwerden (Magenschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall): Unter ihnen leiden vor allem Menschen, die sich viel ärgern (müssen), diesen Ärger aber - statt ihn offen zu äußern - "herunterschlucken, in sich hineinfressen", so dass er "schwer im Magen liegt", aber "nicht verdaut werden kann".

 Psychogene Herzschmerzen: Auch hier wurden Zorn, Ärger oder Wut zu sehr "zu Herzen genommen" bis hin dazu, dass jemand "aus seinem Herzen eine Mördergrube" gemacht hat. - Manchmal deuten die Herzbeschwerden aber auch auf eine ansonsten symptomarme Angstkrankheit oder aber auf nach vorne ausstrahlende Verspannungen im Bereich der Brustwirbelsäule hin.

 Reizblase: "Die Blase weint" - eine Trauer, die nur schwer zugelassen werden kann, kann sich über häufiges Wasserlassen äußern.

 Psychogener Schwindel: Der Schwindel ohne körperliche Ursache drückt in der Regel ein 'schwindlig werden' vor einer ungeheuer überfordernden Belastung aus. Aber auch der drohende Verlust von Halt und Sicherheit kann schwindeln lassen. Daneben findet sich Schwindel als Begleitsymptom jeder Angst und bei einer verspannten Halswirbelsäule.

 Bei vielen Hautkrankheiten finden wir eine psychogene Mitursache. Die Haut und das Nervensystem haben in der Entwicklungsgeschichte des Embryos einen gemeinsamen Ursprung; 'die Haut ist der Spiegel der Seele'. Die Haut zieht eine Grenze zwischen dem Ich - also dem 'Innen' - einerseits und der Außenwelt - also vor allem den anderen Menschen - andererseits. Menschen mit Hauterkrankungen befinden sich meist in einem Konflikt zwischen dem Wunsch nach mehr Kontakt mit anderen Menschen und dem Bedürfnis nach Abgrenzung von der Außenwelt. Dieser Konflikt wird aber nicht entschieden, er bleibt in der Schwebe und schlägt sich in der Entzündung der Haut nieder.

 Schwerer zugänglich als diese rein psychosomatischen Krankheitsbilder sind die durch nachweisbare körperliche Veränderungen komplizierten psychosomatischen Krankheiten wie Allergien, Asthma bronchiale, Magengeschwüre, Bluthochdruck, Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn.

Behandlungsmöglichkeiten:

 Ambulante Psychotherapie: Hier kommt es darauf an, die den Symptomen zugrunde liegenden Belastungen und Gefühle zu erfassen und ihnen anders - also vor allem in Sprache und Handlung - Ausdruck zu verleihen. Meist ist es erforderlich, mit den belastenden Situationen anders als bisher umgehen zu lernen, z.B. indem man vermehrt eigene Bedürfnisse vertritt und es lernt, auch einmal "nein" zu sagen.

 Entspannungsverfahren (wie z. B. das Autogene Training) versuchen, die Symptome durch eine nichtmedikamentöse Beruhigung des vegetativen Nervensystems zu lindern.

 Manchmal - vor allem zu Beginn der Behandlung - kommt man nicht umhin, die Symptome zunächst einmal medikamentös anzugehen.

 

 Bei den psychogenen Rückenbeschwerden spielen physikalische Maßnahmen wie Massage, Krankengymnastik, Rückenschule, Sport und eine ergänzende orthopädische Behandlung eine wichtige Rolle.

 

 Lesenswert ist das Buch von Dethlefsen und Dahlke: Krankheit als Weg - Deutung und Bedeutung der Krankheitsbilder, Goldmann Verlag.