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Martin Sansoni - Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie

Depression

"Der Himmel hat den Menschen

 als Gegengewicht zu den vielen Mühseligkeiten des Lebens

drei Dinge gegeben: die Hoffnung, den Schlaf und das Lachen"

Immanuel Kant

Im Anschluss an seelische Kränkungen oder Verletzungen, nach schweren Verlusten oder Enttäuschungen oder aber als Reaktion auf schwer erträgliche Lebensverhältnisse können Depressionen auftreten.

Typische Symptome sind eine niedergeschlagene, bedrückte, traurige, manchmal gereizte Stimmung, Schlafstörungen, frühes Erwachen, Lust- und Freudlosigkeit, eine Unfähigkeit, die gewohnten Arbeiten zu verrichten, Grübeln, Gedankenkreisen, eine verminderte Konzentration, ein Rückzug aus den gewohnten Kontakten mit Menschen. Oft kommen Angstzustände, psychosomatische Symptome und ein Druckgefühl im Brust- oder Bauchbereich hinzu. Die Umwelt erscheint grau, öde, schattenhaft, farblos, leer. Der Appetit und das sexuelle Interesse kann vermindert sein, Gewichtsverlust ist möglich. Die Zukunft wird pessimistisch gesehen. Manchmal tauchen Gedanken der Sinnlosigkeit, ja sogar der Lebensüberdrüssigkeit auf, die sich unter Umständen bis hin zu Selbstmordgedanken steigern können. Der Gang ist schleppend, die Haltung vorn übergebeugt, der Gesichtsausdruck angespannt, die Mimik eher verarmt. Es liegen nicht immer alle diese genannten Symptome vor.

Das der Depression zugrunde liegende Gefühl ist das einer hilflosen, zermürbenden Ohnmacht. Resigniert durch vergebliche Versuche, eine widrige Lebenssituation abzuändern, verfällt der Depressive in eine ohnmächtige Wut, die er aber nicht ausdrücken und umsetzen kann. Er verdrängt diese Wut und wendet sie gegen das eigene Selbst, indem er sie sozusagen "herunterschluckt" und "in sich hineinfrisst", sie aber nicht verdauen kann. Darüber kommt es unbemerkt zu einer sehr weitgehenden Abkehr von der Außenwelt.

Früher unterschied man eine reaktive Depression (nur durch ein akutes, verletzendes Erlebnis begründet) von einer neurotischen Depression (überwiegend durch unbewusste innere Konflikte und damit durch eine unbewältigte Kindheitsgeschichte unterhalten) und einer endogenen Depression (die durch Veränderungen im biochemischen Hirnstoffwechsel verursacht ist). Diese unterscheidende Typologie wird heute überwiegend aufgegeben, da die drei genannten Ursachen sehr oft in Kombination auftreten. Man unterscheidet heute eher nach dem Ausprägungsgrad eine leichte, eine mittelschwere und eine schwere Depression.

Behandlungsmöglichkeiten:

Medikamente: Bei vielen Depressionen ist zu Beginn der Behandlung eine medikamentöse Behandlung mit antidepressiven Medikamenten erforderlich. Hintergrund der Wirkung dieser Medikamente ist die Beobachtung, dass bei Depressionen die Konzentration hormonähnlicher Botenstoffe (Noradrenalin und Serotonin) im Stoffwechsel des Gehirns vermindert ist. Antidepressiva erhöhen die Konzentration dieser Botenstoffe wieder. Sie müssen regelmäßig über einen Zeitraum von einem Jahr eingenommen werden. Sie wirken nicht sofort, sondern meist erst ab der zweiten Woche nach der Einnahme. Um Nebenwirkungen gering zu halten, wird einschleichend dosiert, d. h. mit einer ganz geringen Dosis begonnen, die langsam bis zum Eintritt der Wirkung gesteigert wird.

Ambulante Psychotherapie: Zunächst müssen die Situationen erkannt werden, die auslösend waren für die Entstehung der in die Depression führenden ohnmächtigen Wut. Aus der Ohnmacht muss in der Folge wieder Macht werden, indem die belastenden Faktoren anders, d. h. offensiver angegangen werden: "Das beste Antidepressivum ist die Initiative!"

Wenn sich zeigt, dass eine ambulante Behandlung allein nicht ausreicht, ist eine stationäre oder tagesklinische  psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung indiziert.

Selbsthilfegruppen

Lichttherapie

Ursachen einer Depression

Die Depression ist eine chronifizierte Stressreaktion. Der Wechsel von Anspannung und Entspannung gelingt nicht mehr. Stress entsteht angesichts einer Gefahr und aktiviert alle für Gegenwehr oder Flucht wichtigen seelischen und körperlichen Organe:

v  Steigerung von Herzschlag und Blutdruck

v  vertiefte und beschleunigte Atmung

v  Umstellung des Stoffwechsels, um als rasch verfügbaren Energieträger Zucker bereitzustellen

v  Anspannung der gesamten Muskulatur

v  erhöhte Ausschüttung der Stresshormone wie Kortison und Adrenalin

v  Schärfung aller Sinnesorgane

v  Durchfall, Übelkeit oder Erbrechen

v  und vieles andere mehr. Die Seele und der ganze Körper sind in Aufruhr.

Es gibt nicht nur eine Ursache der Depression. Meist spielen mehrere Faktoren so zusammen, so dass ein 'multifaktorielles Bündel', also ein Bündel an verschiedenen Ursachen entsteht. Die Betroffenen besitzen eine verminderte Toleranz gegenüber Belastungsfaktoren als gesunde Menschen. Diese besondere Verletzlichkeit begünstigt die Entstehung einer Depression, sie wird Vulnerabilität genannt.

Folgende Faktoren spielen zusammen:

1. Genetik: Das normale Risiko, im Laufe des nächsten Jahres an einer Depression zu erkranken, liegt bei 7%. Sind Verwandte ersten Grades betroffen, liegt es bei 15%. Bei eineiigen Zwillingen steigert sich das Risiko auf 50% - aber eben nicht auf 100%! Wie bei fast allen Erkrankungen sind genetische Einflüsse auch bei Depressionen gut belegt, ein einzelnes Depressionsgen gibt es allerdings nicht.

2. Hirnstoffwechsel: Das Gehirn funktioniert überwiegend mit elektrischem Strömen. Nur da, wo Nervenzellen aneinander geschaltet sind, arbeitet es mit hormonähnlichen Botenstoffen, den sogenannten Neurotransmittern. Bei der Depression besteht ein Mangel der Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin. Diesen Mangel gleichen unsere antidepressiven Medikamente wieder aus.

3. Prägung durch die Herkunftsfamilie: Die engen Bezugspersonen wie Eltern, Großeltern oder Geschwister prägen die seelische Entwicklung durch ihre Zuwendung oder Ablehnung und bieten positive oder abschreckende Vorbilder. Und sie vermitteln beherrschende Denkmuster. Depressive Denkstile sind z. B.

v  die Abwehr alles Positiven ('eine Schwalbe macht noch keinen Sommer' - 'ich habe nur Pech gehabt im Leben' - 'Du bis nichts – Du kannst nichts – Du wirst nie etwas sein!')

v  Unterstellung negativer Gedanken ('Alle anderen lehnen mich ab')

v  negative Vorhersagen ('Das geht sowieso schief!' - 'Aus Dir wird eh nichts!' - 'Kind, lach nicht so viel, Du musst sonst gleich weinen' - 'Mädchen die pfeifen und Hühnern die krähen soll man beizeiten die Hälse umdrehen'

v  ohnmächtige Hilflosigkeit

v  großes Harmoniebedürfnis (wird meist enttäuscht, vor allem an Weihnachten)

v  ein hoher perfektionistischer Selbstanspruch ('Ganz oder gar nicht') - führt zu Enttäuschungen selbst bei 'befriedigendem' Abschneiden

v  unzulässige Verallgemeinerungen ('Da sieht man ja wieder einmal, dass bei mir alles schief läuft')

4. Einschneidende Erlebnisse im Lauf des Lebens ('Live-Events') wie z. B. Misshandlungen oder Missbrauch, Ausgrenzung durch Gleichaltrige, Verluste, Kränkungen oder Enttäuschungen. Auch allzu große Verwöhnung kann schaden.

5. Defizite im Bereich der Schutzfaktoren wie

v  auskömmliche politische Verhältnisse wie z. B. Frieden, innere Sicherheit und Gerechtigkeit

v  gute Einbindung in Partnerschaft und aktueller Familie

v  gutes Arbeitsklima ohne Über- oder Unterforderung

v  ausreichende finanzielle Ressourcen

v  soziale Sicherheit

v  zufriedenstellende Wohn- und Umweltverhältnisse

v  ausreichende körperliche Gesundheit

v  Bildung

v  gelungener Ausgleich durch Freizeitaktivitäten und Freundes- und Bekanntenkreis

6. akute Auslöser wie z. B. der Tod eines Angehörigen oder ein  beruflicher Misserfolg. Ein belastendes Ereignis allein muss nicht unbedingt zum Ausbruch einer Depression führen. Jeder erleidet im Laufe seines Lebens Verletzungen, aber nicht jeder erkrankt. Die Bewältigung und Überwindung solcher negativen Ereignisse kann auch persönlichkeitsbildend sein.

Diese sechs Faktoren können sich addieren, multiplizieren oder im Fall der Schutzfaktoren subtrahieren. In jedem dieser Bereiche kann man sozusagen 'Punkte' sammeln. Wird in der Summe eine kritische Schwelle überschritten, bricht die Depression aus. Nur in seltenen Fällen wird die Ursache in einem einzigen Faktor zu sehen sein. Dies gilt allenfalls für Depressionen nach Extrembelastungen wie z. B. dem Tod eines Kindes oder wenn mehrere akute Auslöser zusammen kommen. Z. B.: ein LKW-Fahrer verliert den Führerschein, darüber auch die Arbeit, danach zerbricht seine Ehe. Und manchmal sieht man schwere Depressionen auch bei Menschen, denen es rundum gut geht und auch stets gut gegangen ist. Dann ist eine genetische oder biochemische Ursache sehr wahrscheinlich.

Diese Überlegungen zur 'Vulnerabilitätshypothese' lassen sich auch auf die Entstehung vieler weiterer seelischer Erkrankungen wie Angstkrankheiten, psychosomatische Symptome, Borderline-Störungen und auch Psychosen übertragen.